Wenn aus einem harmlosen Flirt sexueller Übergriff wird

Geislingen an der Steige:Grenzen aufzeigen: Das ist das Credo einer Ausstellung an der [Emil-von-Behring-Schule] in Geislingen. Es geht um sexuelle Gewalt bei Jugendlichen.

Sexuelle Übergriffe und Internetkriminalität – Themen, die nicht ohne Weiteres in den Unterricht eingebracht werden können. Dennoch müssen Schüler sensibilisiert und aufgeklärt werden. Eine interaktive Ausstellung des Kieler Petze-Instituts für Gewaltprävention an der Gewerblichen Schule in Geislingen befasst sich mit genau diesen Themen. Der Titel: „Echt krass – wo hört der Spaß auf?“ Der stellvertretende Schulleiter Helmut Kölle, schätzt das als sehr wichtig für die Schüler ein. „Tabuthemen in unserer Gesellschaft werden angesprochen, mit Gerüchten beispielsweise im Bereich der Aufklärung wird aufgeräumt“, erklärt er.

Auch Helga Frank, Lehrerin an der Emil-von-Behring-Schule (EvB), ist von der Ausstellung überzeugt. „Die Schüler sind interessiert und arbeiten sich konsequent durch die unterschiedlichen Stationen, die informativ und altersgerecht aufgebaut sind“, sagt sie. Kölle betont: „Uns ist wichtig, dass die Schüler nicht einfach mit den Themen allein gelassen werden. Sie werden begleitet und durch pädagogische Fachkräfte unterstützt. Im Religions- und Ethikunterricht werden diese Themen dann nachbereitet.“ Bei den Schülern komme das gut an, erzählt Frank. Sie seien „interessiert und betroffen“, und man sehe den Schülern an, dass sie mit solchen Bedrohungen schon in Kontakt gekommen sind.

„Ich finde, man sollte schon in der sechsten Klasse lernen, wie weit man in einer Beziehung gehen darf“, sagt der 17-jährige Pascal, der sich gerade mit weiteren Schülern der Gewerblichen und der Emil-von-Behring-Schule die Ausstellung anschaut. „Zum Beispiel, wenn man ein Mädchen küssen will und sie sich wegdreht. Manche denken, sie ist nur schüchtern und machen dann einfach weiter.“

Diese Situation findet sich auch in der Ausstellung wieder. Mehrere Kabinen stehen bereit; an den Außenwänden können die Schüler bestimmte Situationen selbst beurteilen, sich Videos anschauen oder Fakten anhören. In einer Kabine ist ein Richterspruch zu einer Sexualstraftat zu hören, in einer anderen anzügliche Kommentare.

Die Station „Noch schön oder schon sexistisch?“ beschäftigt sich mit Bildern, bei denen die Schüler selbst beurteilen, ob sie in Ordnung oder „uncool“ sind. Ein Beispiel: ein Bericht über eine preisgekrönte Frauensportmannschaft – die Frauen werden halbnackt beim Schwimmen im See abgebildet. Bei der Kabine „Netter Flirt oder blöde Anmache“ können die Schüler entscheiden, welche der Sprüche gut klingen und auf welche sie absolut nicht reagieren würden. Dort finden sie auch Tipps, wie man sich gegen „blöde Anmachen“ wehren kann.

Eine Station weiter wird mit Mythen zum Thema Vergewaltigung aufgeräumt. Klischees wie „Schuld war nur der Alkohol“ oder „Jungs und Männer können nicht vergewaltigt werden“ stehen auf Klappen an den Wänden. Hebt man die Klappen an, ist darunter zu lesen, weshalb diese Aussagen falsch sind. Auch dem Thema Internetkriminalität ist eine Station vorbehalten, eine weitere den Klischees über Pornografie.

„Ich finde die Ausstellung sehr aufschlussreich, vielseitig und interessant. Sie war gut gestaltet, da man hören, lesen und ‚fühlen‘ konnte“, sagt die 18-jährige Sofia. „Zum Teil fand ich es sehr erschreckend, wie manche mit diesen Themen umgehen“, erzählt die 17-jährige Lisa.

Die Idee, die Wanderausstellung nach Geislingen zu holen, hatte EvB-Studienrätin Heike Oswald, erzählt Helmut Kölle. „Sie war die Initiatorin und hat sich dafür eingesetzt, dass die Ausstellung an unsere Schule kommt.“ Die Idee wurde bei unterschiedlichen Stellen vorgestellt, welche nun die Ausstellung sponsern – darunter die Stadt Geislingen, der Kreisjugendring, der Landkreis Göppingen, das Bundesprogramm „Demokratie leben“, die Bildungsregion Landkreis Göppingen und die Kommunale Kriminalprävention.

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