Konzept Schulhund

Schulhund in der Emil-von-Behring-Schule

Vor etwa zehn Jahren begann die pädagogische Arbeit mit dem „Schulhund“. Inzwischen sind über 400 Schulen deutschlandweit registriert. Es handelt sich hierbei um tiergestützte Pädagogik. Die Grundidee ist dabei, dass die pure Anwesenheit des Hundes das Lernen positiv unterstützt.

  1. Organisation:
    Die Golden Retrieverhündin Fancy-Emily kommt an zwei von fünf Wochentagen mit ihrer Besitzerin, Fr. Ludwig, in die Schule. Die Hündin geht mit Frau Ludwig mit in den Unterricht.
  2. In der Klasse:
    Die Hündin hat in der Klasse einen Rückzugsplatz in ihrem Kennel, die SuS wissen, dass sie dort nicht gestört werden darf.
  3. Hygiene:
    Es gibt im Klassenzimmer ein Waschbecken und die SuS werden angehalten, nach Berührungen mit dem Hund und vor allen Dingen bevor sie dann etwas essen die Hände zu waschen. In Bezug auf mögliche Tierhaarallergien stellt die Hündin durch eine spezielle Fütterung wenig Risiko dar. Die Hündin wird alle drei Monate einer Wurmkur unterzogen und ist geimpft. Außerdem darf sie Küche, Speiseräume und die Turnhalle nicht betreten.
  4. Wesen des Hundes:
    Sowohl die Auswahl der Rasse als auch der Züchterin erfolgte nach strengen Kriterien, die sicherstellen sollen, dass der Umgang dieses Hundes mit Kindern gefahrlos ist und der Hund von seinem Wesen für den Einsatz in der Schule geeignet ist. Beide Eltern von unserem Schulhund haben sich einer Wesensprüfung unterzogen und dabei unter Beweis gestellt, dass es ruhige, unbeirrbare Hunde mit ausgeprägtem sozialem Wesen sind. Für unseren Schulhund selbst ist eine solche Wesensprüfung erst möglich wenn sie ein Jahr alt ist, also ab Januar 2017.
  5. Partizipation:
    Das Kollegium wurde über dieses Projekt informiert. Ebenso wurden die Klassen beteiligt, die Schülermitverantwortung, die Eltern der betreffenden Klassen, die alle durch ihre Unterschrift bestätigt haben, dass sie mit der Anwesenheit des Schulhunds einverstanden sind.
  6. Ziele:
    Die SuS sollen durch den Umgang mit unserem Schulhund bei der Erreichung folgender, im Leitbild und Profil der Emil-von-Behring-Schule festge-schriebener Ziele unterstützt werden:
  • Schaffung einer positiven, angstfreien Lernatmosphäre als Grundlage der täglichen Arbeit, die Anwesenheit Fancy-Emilys gestaltet die Lernumgebung positiv, es entsteht eine lockere, freundliche Atmosphäre, körperliche und verbale Aggressionen gehen deutlich zurück. Es finden erwiesenermaßen Lernprozesse statt, die sich durch klassische kognitive Lerntheorien nur begrenzt erklären lassen.
  • Einüben von Verantwortungsübernahme ( für Wasser sorgen, den Hund in Begleitung von Fr. Ludwig Gassi führen, Fellpflege, auf Bedürfnisse des Hundes eingehen).
  • Einüben von Rücksichtnahme und Empathie (füreinander Da-Sein, hier: beobachten und decodieren der analog geäußerten Signale des Hundes und entsprechendes Verhalten ihm gegenüber), das Sozialverhalten kann so wesentlich gebessert werden.
  • Unterstützung einer harmonischen Persönlichkeitsentwicklung und sozialer Fähigkeiten (hier: "Tiere bauen unechte Kommunikation ab, erleichtern die Kontaktaufnahme und aktivieren. Sie ermöglichen eine angemessene Abgrenzungsfähigkeit, reduzieren vorzeitige Beziehungsabbrüche und führen zu einem besseren Zugang zu den eigenen Emotionen und Instinkten." (Prof. Dr. Erhard Olbrich, Vortrag)
  • Aufbau persönlicher Stärken und Förderung der emotionalen Intelligenz (hier: Tiere sind urteilsfrei, der Hund begrüßt die Kinder täglich mit der gleichen Begeisterung, hier erleben sie eine Stärkung, die ihnen sonst häufig fehlt. Außerdem vermittelt unser Schulhund im Spiel, d.h. wenn sie auf einfache Kommandos der Kinder positiv reagiert, Erfolgserlebnisse, Selbstvertrauen und Selbstachtung, der Glaube an die eigene Tüchtigkeit wird gestärkt.
  • Stärkung von Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein: das Tier reagiert nur auf klare Gesten, Anweisungen und konsequentes Verhalten, die SuS müssen sich also auf das Tier einlassen, sich konzentrieren, sich selbst nötigenfalls korrigieren. Wenn der Hund dann ihre Befehle ausführt belohnt er sie dafür- unabhängig von kognitiven Leistungen der Jugendlichen.
  • Die Kommunikationsfähigkeit (nonverbal und verbal), eine der Schlüsselkompetenzen für die Erreichung der Berufsreife, wird deutlich gestärkt: es gibt täglich neue Anlässe zum Gespräch über den Hund zwischen Schülern und Lehrern und mit anderen Schülern (klassenübergreifend). Schüchterne und ruhige Kinder erleben in diesem Zusammenhang mehr Zuwendung als unter Menschen, da der Hund auf Körpersignale reagiert, Ängste können abgebaut werden, der Hund vermittelt Sicherheit.
  • Konzentration und Aufmerksamkeit werden durch die Anwesenheit des Hundes im Klassenraum gefördert, der Geräuschpegel deutlich gesenkt (die Kinder wissen, dass der Hund alle Geräusche 15x so laut hört wie ein Mensch und erleben auch, dass er auf Lärm schnell, konstant und deutlich reagiert.
  • Der kollegiale Teamgeist wird gestärkt, die Klasse als "Hundebesitzer" hat eine Gemeinsamkeit, die andere Klassen nicht haben. Ihre gemeinsame Sorge für und Zuneigung zum Hund lässt eine große Loyalität untereinander wachsen.

Evaluation:
Es wird durch einen Fragebogen nach einem halben Jahr die Wirkung des Hundes auf die SuS überprüft. Der Fragebogen, der anonym auszufüllen ist evaluiert die persönliche Beziehung eines Schülers/in zum Hund, die Vorerfahrungen und Affinität des Kindes zu Tieren generell sowie die Wünsche zur Projektdauer.

Film über Schulhund Fancy von der Filstalwelle

„Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund“ – davon war schon die Benediktinerin Hildegard von Bingen überzeugt. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Da spricht ja alles dafür, die positiven Eigenschaften eines Hundes auch in der Schule anzuwenden.

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