Streitschlichtung an der EvBS

Unter Streitschlichtung – auch Mediation genannt – versteht man ein seit Jahren bekanntes und angewandtes Verfahren zur Konfliktlösung, bei dem unparteiische Dritte helfen, unter den Konfliktparteien zu vermitteln. Ziel von Streitschlichtung ist es nicht, Konflikte grundsätzlich zu verhindern, sondern den konstruktiven Umgang mit diesen zu fördern.

Streitschlichtung in Schulen

Schlichterprogramme an Schulen haben eine nachweislich positive Auswirkung auf das allgemeine Schulklima: Sie fördern eine einheitliche Konfliktkultur, bei der durch den Einbezug und das Mitwirken von Schülerinnen und Schülern eine stärkere Identifikation mit ihrer Schule erfolgt. Die Mitgestaltung und somit die Verantwortungsübernahme haben darüber hinaus einen gewaltpräventiven Charakter.

Die Ausbildung zum Streitschlichter/In und die Ausübung dieser Rolle fördern zahlreiche wichtige Sozialkompetenzen, die auch im späteren (Berufs-)Leben von entscheidender Bedeutung sind: Neben dem konstruktiven Umgang mit Konflikten werden der sprachliche Ausdruck und die Teamfähigkeit gefördert. Die Jugendlichen lernen ihre eigenen Wünsche und Interessen Anderen gegenüber angemessen zum Ausdruck zu bringen. Damit einhergehend wird das Selbstvertrauen merklich gefördert und gestärkt. Darüber hinaus trainieren die Schüler/Innen ihre Fähigkeit zur Empathie, welche einen zentralen Aspekt der meisten schulischen Präventionsansätze darstellt. Eine Teilnahmebescheinigung wird ausgestellt.

Streitschlichtungskonzeption an der EvBS

Heike Oswald

Speziell zu Streitschlichtern ausgebildete Schülerinnen und Schüler führen die Schlichtung bei Konflikten durch. Ein Team von ebenfalls ausgebildeten Lehrkräften die Streitschlichter bei ihrer Arbeit.

An der Emil-von-Behring-Schule bildet Heike Oswald die StreitschlichterInnen aus und leitet auch die Streitschlichter-AG.

Zentral bei diesem Konzept ist das Schlichtungsgespräch, das durch den Streitschlichter moderiert wird. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Streitenden freiwillig auf das Gespräch einlassen, da ein erzwungener Schlichtungsversuch generell zum Scheitern verurteilt ist.

Das Schlichtungsgespräch folgt einem festgelegten Ablauf, dessen Einhaltung durch den Streitschlichter gewährleistet werden soll. Dessen Aufgabe ist es, als unparteiischer Dritter gemeinsam mit den Streitenden eine einvernehmliche Lösung zu finden, bei der sich keiner als Verlierer fühlt. Es ist nicht Aufgabe, einen Schiedsspruch oder ein Urteil zu fällen.

Während des Gesprächs achtet der Streitschlichter auf zuvor gemeinsam festgelegte Gesprächsregeln (z. B. keine Beleidigungen und Beschimpfungen, ausreden lassen etc.) und sorgt damit für eine aggressionsfreie Atmosphäre, bei der emotionale Verletzungen unterbleiben. Gesprächstechniken – wie aktives Zuhören, Ich-Botschaften fördern – unterstützen die Konfliktparteien darin, ihre eigenen, dem Konflikt zugrunde liegenden und/oder mit ihm ihn Verbindung stehenden Gefühle, unbefriedigten Bedürfnisse, Wünsche und Interessen herauszuarbeiten und zu kommunizieren. Im weiteren Verlauf unterstützen die Streitschlichter bei der Erarbeitung einer gemeinsamen Lösung, wobei darauf zu achten ist, dass die getroffenen Vereinbarungen realistisch sind und auch wirklich durchgeführt werden können.

Nach dem schriftlichen Festhalten der Lösungsvorschläge wird ein weiterer Gesprächstermin festgelegt, um zu überprüfen, inwieweit die vereinbarten Verabredungen eingehalten wurden.

5 Phasen des Schlichtungsgesprächs

1. Phase: Einleitung

Ausgangssituation: Die beiden Streitenden sind nicht in der Lage, angemessen über ihren Konflikt miteinander zu sprechen.

  • Begrüßung
  • Angst nehmen, Vertrauen aufbauen, Regeln, Verfahren und Ziel der Mediation werden dargelegt.
  • Die Rolle des Schlichters wird geklärt, Schweigepflicht wird zugesichert und das Prinzip der Allparteilichkeit erläutert.
  • Das Einverständnis von Streitparteien bezüglich des Verfahrens und der Regeln wird eingeholt.

2. Phase: Sichtweisen der Konfliktparteien darstellen

Die Kommunikation läuft zunächst ausschließlich über den Mediator.

  • Jede Konfliktpartei schildert den Konflikt aus ihrer Sicht.
  • Mediator fragt nach, fasst sachlich zusammen.

3. Phase: Konflikterhellung

Durch die Konflikterhellung soll schrittweise die direkte Kommunikation zwischen den Streitparteien vorbereitet werden.

  • Eigen- und Fremdanteil werden geklärt.
  • Motive und Gefühle werden thematisiert (durch den Mediator angeregt).

4. Phase: Problemlösung

Die Konfliktparteien kommunizieren nun wieder miteinander und suchen gemeinsam mit dem Mediator nach Lösungen.

  • Brainstorming
  • Lösungen werden mit Hilfe des Mediators diskutiert und bewertet und müssen für beide Parteien akzeptabel sein.
  • Lösungen müssen konkret, realistisch, durchführ- und überprüfbar sein.

5. Phase: Vereinbarung treffen

Beide Konfliktpartner sind mit den Vereinbarungen einverstanden und bereit, die Lösungsansätze umzusetzen.

  • Die Lösungen werden genau im Vertrag formuliert.
  • Die Vereinbarung wird durch den Mediator vorgelesen.
  • Beide Konfliktparteien unterschreiben den Vertrag.
  • Es wird ein weiterer Termin vereinbart, an dem überprüft werden soll, ob die Vereinbarungen eingehalten wurden.

Grenzen von Streitschlichtung in Schulen

Die Grenzen der Streitschlichtung ergeben sich aus ihrem Wirkungsbereich, deshalb sollte sie als ein Baustein unter anderen betrachtet werden, um den Umgang mit Konflikten an der Schule zu verbessern. Die Methode ist dazu geeignet, leichte bis mittelschwere Konflikte zwischen Schülerinnen und Schülern zu klären. Bei schweren Eskalationen, Mobbing und Straftaten reicht eine Mediation durch Jugendliche nicht aus. Hier müssen andere Maßnahmen ergriffen werden und die Schlichter die Verantwortung an Erwachsene abgeben.

Mediationen erfordern die grundsätzliche Bereitschaft der Streitenden, diese Gespräche führen zu wollen und an einer Klärung der Konflikte interessiert zu sein. Zahlreiche Gründe können dazu führen, dass Schülerinnen oder Schüler nicht zu den Schlichtungsgesprächen gehen wollen (Scham, Angst vor Mitschülern etc.). Umso wichtiger ist es, das Verfahren an der Schule zu etablieren und für die betroffenen Jugendlichen zu einer gewinnbringenden Erfahrung werden zu lassen. Je höher der persönliche Nutzen erscheint, desto größer ist die Bereitschaft, sich auf eine Schlichtung einzulassen.

Da das Verfahren von Jugendlichen durchgeführt wird, kann es unter Umständen dazu kommen, dass Streitende diesen die Schlichtung nicht zutrauen, und sich wie gewohnt lieber an eine Autoritätsperson wenden möchten (was in manchen Fällen auch durchaus notwendig und richtig sein kann). Gegen dieses Argument spricht, dass die Verantwortungsübernahme durch Lehrkräfte den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit nimmt, den eigenen Umgang mit Konfliktsituationen zu erlernen.

Streitschlichtung sollte lediglich bei Schüler-Schüler-Konflikten angewendet werden, bei Konflikten zwischen Jugendlichen und ihren Lehrkräften stehen Beratungslehrer, Verbindungslehrer, Sozialpädagogen oder auch die Schulleitung zur Verfügung.


Quelle: teilweise https://www.rshalle.de/schueler/streitschlichtung

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