Schüler der Emil-von-Behring-Schule kreieren aus Dosenmüll ein Kunstwerk: Ein Zeichen gegen Umweltzerstörung.

Bereits 21 Jahre ist es her, dass sich in der Fünftälerstadt ein Arbeitskreis „Dosenfreie Stadt Geislingen“ gründete. Sein Ziel: den Verbrauch von Getränkedosen zu reduzieren und Mehrwegflaschen den Vorzug zu geben. 2003 führte Umweltminister Jürgen Trittin das Dosenpfand ein – gegen die Vermüllung der Natur. Was Wirkung zeigte.

Allerdings gibt es zum einen noch gesetzliche Schlupflöcher: Einige Hersteller verwenden Molke als Ausgangsprodukt für Energydrinks. Der Trick dabei: Sie nehmen nur das abgefilterte Wasser davon – und dürfen das Ganze dennoch als pfandfreies Molke-Mischprodukt verkaufen. Diese Schlupflöcher werden aber durch das neue Wertstoffgesetz 2019 gestopft. Zum anderen tauchen in ganz Deutschland immer wieder aus dem Ausland eingeführte Getränkedosen ohne Pfandlogo auf, die verbotenerweise verkauft werden.

Doch egal wo die Ursachen liegen: Die pfandfreien Dosen stellen ein Problem für die Umwelt dar. „Überall liegen solche Dosen rum, so viele werfen sie einfach gedankenlos weg“, sagt Gabriele Schober, Lehrerin für Kreatives Gestalten an der Emil-von-Behring-Schule (EvBS). Die Massen an leeren Getränkedosen im Schulhof der drei Geislinger Berufsschulen erinnerten sie an ein Kunstwerk aus Dosenschrott, das sie in einer Galerie in Griechenland gesehen und dort schon bewundert hatte. „Ich habe ein solches Kunstwerk meinen Schülern aus der zweijährigen Berufsfachschule als Projekt vorgeschlagen – und die waren sofort begeistert“, erzählt die Lehrerin.

Begonnen hat dieses Projekt, das nach Fertigstellung „Pfandfrei!“ heißen soll, bereits im Herbst. Zwei Mädchen sammelten dafür mehrmals im ganzen Schulhof weggeworfene Dosen ein. 35 bei der ersten Aktion, 40 bei der zweiten. Bis sie mehrere hundert Dosen beisammen hatten. „Anfangs hatten wir die Arme voller Dosen – bis wir begriffen, dass wir dafür große Taschen brauchten“, erzählt Angela, eine der Schülerinnen, die an dem Projekt arbeiten.

Fast die Hälfte der Dosen hätten sie aus Büschen und vom Boden aufgesammelt, die andere Hälfte dann aus den Mülleimern geholt, berichtet sie. „Seitdem fallen mir überall die vielen Dosen auf, die herumliegen“, sagt ihre Klassenkameradin Svenja.

Insgesamt hat das Duo seit Herbst bereits 500 Dosen gesammelt. Vor allem Energydrink-Dosen, aber auch Eistee oder Limonade. Während des Unterrichts für Kreatives Gestalten spülen sie die Dosen aus, schneiden Boden und Deckel mit dem Cutter ab und schlitzen das Blech der Länge nach auf, um so eine rechteckige Platte  aus Alu oder Weißblech zu erhalten. Lara sortiert die Platten nach Farben, danach versehen Melina und Lisa den langen Rand der Dose mit einem Klebeband und schneiden jede der Dosen dann senkrecht dazu in etwa ein Zentimeter breite Streifen. „Ich finde das Projekt voll gut, weil wir die weggeworfenen Dosen so recyceln“, erklärt Lisa.

Die Streifen werden schließlich von Claudia und Anna in Empfang genommen. An ihrem Tisch nimmt das Kunstwerk bereits deutlich Gestalt an. Sie kleben jeden einzelnen der Alu-Streifen auf ein schwarz bemaltes Holzbrett, dabei bildet jede Farbe einen Kreis, von außen nach innen. Inzwischen sind die Mädels bereits am sechsten Kreis von außen. „Jetzt geht’s immer schneller“, konstatiert Claudia.

„Am Ende kleben wir in die Mitte einen Dosendeckel. Dann sieht es so aus, als ob eine Dose explodiert ist und die Fetzen nach außen fliegen“, beschreibt Anna das Projekt. Ihr macht es richtig Spaß, sagt sie, „weil wir auf diese Weise andere darauf aufmerksam machen, wie viel sie eigentlich wegschmeißen“.

Und darauf, dass diese Wegwerf-Mentalität weder die Ressourcen noch die Umwelt auf Dauer mitmachen, fügt Gabriele Schober hinzu. Wenn das Dosen-Projekt fertig ist, kommt das Kunstwerk zum Schutz vor Vandalismus hinter eine Plexi­glas-Scheibe und schmückt dann den Flur in der Schule.

Text und Fotos: Claudia Burst (swp.de)

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