Emil-von-Behring-Schüler experimentieren mit vier Ernährungsstilen

Wie spannend Ernährung sein kann, das fanden vier Schüler der Emil-von-Behring-Schule im Rahmen ihrer Projektarbeit heraus und stellten die Ergebnisse bei einem Spezial-Kochkurs des Hauses der Familie vor.

Was ist dran an unterschiedlichen Ernährungsstilen? Alles nur Mache und Werbung? Oder hat eine Ernährungsumstellung erkennbare Auswirkungen? Vier Schüler der Emil-von-Behring-Schule aus dem Berufskolleg "Gesundheit und Pflege" interessierten sich für diese Fragen - und entwickelten daraus ihre Projektarbeit.

Zu dieser Arbeit gehört nicht nur das Experiment selbst, sondern auch das Präsentieren der Ergebnisse vor Schülern einer anderen Klasse sowie vor Teilnehmern eines Spezial-Kochkurses des Hauses der Familie. Letzterer fand am Mittwoch in der Emil-von-Behring-Schulküche vor zwölf Teilnehmern statt. Im Vorfeld hatte jeder der Schüler sich für einen aktuellen Ernährungs-Trend entschieden und 60 Tage lang konsequent durchgezogen. Bevor die Kochkurs-Teilnehmer Rezepte zu jedem der Stile nachkochen durften, erläuterten Martin Tasov, Michela Attanasio, Tamara Spiegel und Johanna Dirr, worum es konkret ging. Martin hatte "Paleo" für sich ausgewählt. "Das ist eine Art Steinzeiternährung", erläuterte er, "aber ich musste nicht selbst jagen." Michaela hatte sich für die "Low Fat"-Variante entschieden, Tamara für den Veganismus und Johanna für die Fünf-Elemente-Ernährung (siehe unten).

Nachdem die Schüler auf charmante Weise über ihre Erfahrungen berichtet hatten - und noch bevor sie auf die Ergebnisse ihres Experiments eingingen - durften die Kursteilnehmer selber kochen. Je nach Ernährungsstil-Interesse entweder in der Low-Fat-Gruppe bei der Vorspeise, einem Kresse-Sahne-Süppchen, bei dem die Sahne durch zehnprozentige Kaffeesahne ersetzt wird. Oder beim Steinzeitvolk, das Tomaten mit einer Rührei-Kräuterwürzmischung füllte. Die Veganer erhielten von Tamara ein Rezept für Blätterteigstrudel griechischer Art, bei dem sowohl spezieller veganer Blätterteig (Palmfett statt Butter) aus dem Kühlregal verwendet wurde als auch veganer Kräuter-Grillkäse (aus Sojamilch und Öl.) Als Dessert hatte Johanna Kokosmilch-Vanillereis ausgesucht - wehe, wenn die Teilnehmer zu wenig Zucker verwendet hätten, nachwürzen zum Schluss wäre wegen des Einhaltens des richtigen Zyklus' nicht mehr möglich. Das Geschmacksergebnis überzeugte sämtliche Testesser.

Noch beeindruckender jedoch waren die Blutbild-Ergebnisse, über die die Schüler am Ende des Abends berichteten. Sie hatten ein detailliertes Blutbild vor und nach ihrem 60-tägigen Selbstversuch in einem Blutlabor anfertigen lassen. Anhand des Blutes können verblüffende Symptome und Syndrome festgestellt werden, wie etwa das Leaky-Gut-Syndrom (durchlässige Darmwand), eine Vielfalt an Nahrungsmittelintoleranzen oder sogar die Vitalitäts- und Leistungsreserven, die Immunabwehr oder wie sehr jemand mental belastbar ist.

Ihr Fazit: ohne Ausnahmen verbesserten sich bei allen vier Ernährungsstilen die Zahlen und Fakten zum Vorbefund. Was in erster Linie vermutlich am Weglassen von Fastfood und Fertigprodukten lag. Steinzeit-Esser Martin verlor mit drei Kilogramm am meisten Gewicht, "wobei mit Sport noch mehr drin gewesen wäre", wie der 17-Jährige grinsend bekannte. Aus gesundheitlicher Hinsicht zeigte die vegane Ernährung den größten Erfolg.

"Der Körper reagiert unglaublich schnell auf die neue Ernährung", stellte Johanna fest. Auf Dauer will jedoch keiner der Ernährungsstil-Tester bei seinem getesteten Stil bleiben. "Zu einseitig", klagte Martin, "zu teuer" meinte Veganerin Tamara. "Das Fett-Gramm-Zählen ist zu zeitaufwendig", fand Michela und "man kann nicht mit den anderen essen gehen", kritisierte Johanna. Alle vier jedoch wollen in Zukunft bewusster essen und vorwiegend frisch kochen.

Die unterschiedlichen Arten an Ernährungsstilen

Paleo orientiert sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit. Verboten sind daher Getreideprodukte, auch Milchprodukte und industriell verarbeitete Nahrungsmittel.

Veganismus bedeutet keinerlei tierische Produkte, das heißt, außer Fleisch und Fisch sind auch Milch und Milchprodukte, Eier oder Honig nicht erlaubt.

Fünf-Elemente-Ernährung überträgt Teile der traditionellen chinesischen Medizin auf die in westlichen Ländern übliche Ernährung. Sie basiert auf der Lehre der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Lebensmittel werden diesen Elementen zugeteilt und müssen in der richtigen Reihenfolge verwendet werden. Das Ziel liegt darin, im Körper ein harmonisches Gleichgewicht der Energien von Yin und Yang zu erreichen.

Low-Fat-Diät reduziert den Fettanteil in der Nahrung um etwa die Hälfte. Das soll jedoch nicht mit Light-Produkten oder chemischen Schlankheitsmitteln erreicht werden, sondern durch bewussten Umgang mit den "richtigen" Fetten.

Autorin und Fotografin: CLAUDIA BURST, 09.02.2016

URL: http://www.swp.de/3672713

SWP Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit schriftlicher Genehmigung

 

Zurück