30 Jahre Altenpflege und ein Abschied – im Jubiläumsjahr verlässt Evelyn Voigt die EvBS

„Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“  (Konfuzius)

Das Zitat von Konfuzius ist eine wichtige Weisheit, welche die Lehrerinnen und Lehrer der Emil-von-Behring-Schule den Schülerinnen und Schülern im Rahmen zahlreicher Angebote der Berufsberatung oder ihrer Ausbildung immer wieder vermitteln, um sie auf ihr späteres Leben und ihre Zukunft vorzubereiten. Doch diesen Blick auf den eigenen Beruf haben auch zahlreiche KollegInnen an der EvBS. Dass Evelyn Voigt, die stellvertretende Schulleiterin an der Emil-von-Behring-Schule, ihren Job immer gerne gemacht hat und immer noch macht, wird im Alltag immer wieder deutlich und sichtbar. Dieses Jahr verlässt Frau Voigt die Schule und tritt ihren wohlverdienten Ruhestand an. Neben ihrer Tätigkeit als stellvertretende Schulleiterin prägte sie insbesondere den Bereich der Altenpflege maßgeblich mit und leitet diesen Bereich seit Jahren. Die Altenpflege feiert dieses Jahr ihr dreißigjähriges Jubiläum an der Geislinger Emil-von-Behring-Schule. Doppelter Anlass für ein Interview, das sowohl auf die letzten 30 Jahre der Altenpflege, als auch auf die letzten 37 Jahre von Evelyn Voigt zurückblickt.

 

Wie lange bist Du schon an der EvBS und wie war dein Werdegang?

Ich bin seit 37 Jahren an der Emil-von-Behring-Schule, also seit 1982. Die Berufsfachschule für Altenpflege wurde 1989 an der EvBS eingeführt und somit begleite ich den Bereich der Altenpflege bereits von Anfang an. Ich bin seit 2016 stellvertretende Schulleiterin und seit 2002 die Abteilungsleiterin im Bereich Altenpflege.

 

Was wird Dir besonders in Erinnerung bleiben?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. 37 Jahre sind eine sehr lange Zeit, die von wirklich wunderbaren Erlebnissen geprägt war. Ich habe insgesamt mit vier Schulleiterinnen zusammen gearbeitet und die Schülerzahl hat sich nahezu verdoppelt. Die Entwicklung der zahlreichen SchülerInnen zu beobachten und zu begleiten war teilweise sehr anstrengend, aber auch sehr bereichernd. Insbesondere im Fach Datenverarbeitung war es wirklich schön zu sehen, dass viele meiner SchülerInnen wesentlich sicherer im Umgang mit neuer Technik wurden, denn auch im Bereich der Altenpflege spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Eigentlich habe ich Mathematik studiert, bin aber über Umwege im Fach Datenverarbeitung gelandet. Und auch wenn die SchülerInnen zunächst verunsichert waren, warum in einer Pflegeausbildung Datenverarbeitung eine Rolle spielt, konnte ich sie Schritt für Schritt davon überzeugen, dass es für sie und ihre berufliche Zukunft von elementarer Bedeutung ist, mit dem Computer sicher umgehen zu können.

 

Wen oder was wirst Du besonders vermissen?

Den Unterricht. Ich mag es sehr mit den Schülerinnen und Schülern zusammenzuarbeiten und ihnen meine jahrelange Erfahrung weiterzugeben, aber auch von deren Erfahrungen zu profitieren. Dieser Kontakt wird mir bestimmt fehlen.

Im Rahmen meiner Tätigkeit wird mir insbesondere das Erasmus+-Projekt fehlen. Im Rahmen dieses Projekts können Auszubildende eine Zeit im Ausland verbringen und andere Systeme der Pflegeausbildung kennen lernen. Dieses Austauschprogramm hat mir wirklich großen Spaß gemacht und hätte ich das geahnt, hätte ich das bestimmt schön viel Früher ins Leben gerufen. Ich freue mich aber, dass dieses Projekt auch in Zukunft von einer Kollegin weitergeführt wird.

 

Warum liegt Dir die Altenpflege besonders am Herzen?

Die Altenplegeausbildung ist deshalb so besonders, weil sie die einzige duale Berufsausbildung an der EvBS ist. Zumal die Schülerinnen und Schüler zu Beginn meiner Lehrertätigkeit oftmals älter waren als ich. Aber gerade die Erwachsenenbildung habe ich so für mich entdeckt, denn die SchülerInnen bringen Erfahrungen und Geschichten mit, die jüngere Schülerinnen und Schüler nicht haben. Und gerade von der Mischung aller Altersklassen profitieren alle SchülerInnen.

 

Welche Ausbildungsmöglichkeiten bietet die EvBS?

Zunächst einmal gibt es die dreijährige Berufsfachschule für Altenpflege, deren Ziel es ist, die Auszubildenden in einer dualen Ausbildung in der selbständigen und individuellen Pflege älterer Menschen zu schulen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit sich in einem Jahr zur Altenpflegehilfe ausbilden zu lassen oder in Teilzeit eine Weiterbildung, mit dem Ziel auf leitende Positionen vorzubereiten, zu absolvieren. Im Rahmen der Ausbildungsmöglichkeiten ist eine Verknüpfung von Theorie und Praxis elementar und meiner Meinung nach auch nicht wegzudenken.

 

Was hat sich über die letzten Jahre in dem Bereich verändert?

Insbesondere das Jahr 2003 war sehr prägend. Hier wurde das neue Altenpflegegesetz eingeführt, welches neue Inhalte enthielt und die Fächer durch Lernbereiche ersetzte.

Eine große Veränderung steht uns aber auch kurz bevor. Ab 2020 gilt das neue Pflegeberufegesetz. Dieses vereint verschiedene Pflegeberufe zu einer generalistischen Ausbildung und sorgt so für mehr Durchlässigkeit innerhalb der Pflegeberufe. Ein weiterer Vorteil ist, dass die neue Ausbildung europaweit anerkannt wird. Man darf aber auch nicht verschweigen, dass damit ein großer Organisations- und Planungsaufwand verbunden ist, der meine Kolleginnen und Kollegen bestimmt die nächsten Jahre begleiten wird.

 

Welche Personen haben die letzten 30 Jahre der Altenpflegeschule maßgeblich geprägt?

Es gibt zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die die Altenpflegeausbildung maßgeblich geprägt haben. Eine von ihnen ist Sabine Hoffmann, die die Ausbildung an der EvBS von der ersten Stunde an begleitet hat. Momentan ist sie auch am Regierungspräsidium als Fachberaterin tätig und bringt so ihre Erfahrungen aus dem Unterricht in die oberste Schulverwaltung ein.

 

Was zeichnet die EvBS besonders aus? (Insbesondere bezüglich der Altenpflege)

Für mich ist die tolle und vertrauensvolle Arbeit mit den einzelnen Betrieben ganz entscheidend. Wir sind im ständigen Austausch miteinander und versuchen so unsere Ausbildung ständig zu verbessern. Für die Kollegen und Kolleginnen ist das oftmals mit weiten Fahrstrecken verbunden, um die SchülerInnen in ihren Ausbildungsbetrieben zu besuchen. Ich fungiere in diesem Gefüge als ständige Ansprechperson an der Schule, die für alle Belange da ist – das wird von den SchülerInnen und den Betrieben sehr geschätzt.

 

Was wünschst du Dir für Dich und die Altenpflege für die Zukunft?

Für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu gehen. Es stehen zahlreiche Herausforderungen vor der Tür für die es neue Köpfe braucht, die sich den Neuerungen stellen und sich darauf einlassen können. Für mich wünsche ich mir genauso wie für die Pflege mehr Zeit. Der Zeitfaktor spielt für unsere SchülerInnen eine große Rolle und ich merke immer wieder, dass sie unter Druck stehen. Daher wünsche ich mir mehr Zeit für eine Ausbildung, die gute Pflege noch besser macht.

 

Auf was freust Du dich im Ruhestand am meisten?

Das ist einfach. Auf die Zeit mit meiner Familie und meinem Enkel. Als Lehrerin hat man oftmals das Gefühl, man könnte immer noch was erledigen und tun. Dieses Gefühl hat mich meine gesamte Laufbahn nicht verlassen und daher freue ich mich sehr darauf, den Kopf etwas freier zu haben.

Ich gehe wirklich zu einem Wendepunkt der Altenpflege. 2020 werden mit der generalistischen Pflegeausbildung viele Veränderungen auf unsere Schule zukommen. Ich freue mich darauf, diese aus der Ferne zu beobachten.

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